Das Konzept der Psychomotorischen Praxis Aucouturier findet seine Anwendung im präventiven Bereich, zum Beispiel in Kindergärten, Kindertagesstätten oder Grundschulen als ergänzendes Angebot. Es werden im therapeutischen Bereich Fördergruppen und Einzeltherapien angeboten, so in Psychomotorikpraxen, verschiedenen Einrichtungen und als Einzelmaßnahmen über BSHG oder KJHG in Vorschuleinrichtungen.

Die Fördergruppe

Entweder befinden sich ein bis zwei Kinder mit einem Therapeuten in der Gruppe bzw. drei bis vier Kinder mit zwei Therapeuten. Die Einheiten dauern zwischen einer Dreiviertelstunde bis Stunde, je nach Alter der Kinder oder aktueller (Spiel)Situation.

Die Fördergruppe ist für Kinder mit tonisch-emotionalen Schwierigkeiten ausgerichtet, für Kinder also, die motorisch triebhaft sind (aggressiv, überaktiv) oder Hemmungen in Motorik und Emotionalverhalten zeigen.

Die „Einheit“ der Kinder ist vorhanden, aber mangelhaft ausgeprägt oder gestört.

Der Therapeut begleitet das Kind mit seinem psychologischen Verständnis zu erkennen, welche frühen Erfahrungen das Kind in der Stunde belebt.

Für das einzelne Kind ist er verfügbar und vermittelt zudem Kommunikationsangebote zwischen den Kindern.

Die Einzeltherapie

Ein Kind wird von einem Therapeuten begleitet. Die Einheiten dauern zwischen 45– 80 Minuten. Die zeitliche Gestaltung der einzelnen Stunde hängt sowohl vom Alter des Kindes, als auch von dem Stundenverlauf ab.

Konzipiert für Kinder, die (noch) nicht in einer Gruppe bleiben können und somit den geschützten und privilegierten Rahmen einer Einzelsituation und Einzelbeziehung benötigen, um in ihr Spiel zu finden.

Hier erleben wir Kinder mit Störungen des Körperbildes aus einer sehr frühen Zeit ihrer Entwicklung, weswegen die Einheit nicht ausgebildet werden konnte. Diese Kinder zeigen in ihrer tonisch- emotionalen, psycho-affektiven und symbolischen Reifung Schwierigkeiten. Die unvollständige Entwicklung der Einheit hat zur Folge, dass die Kinder nicht genügend Mittel haben, eine Rückversicherung gegenüber ihren Ängsten zu entwickeln. So bleiben bestimmte Ängste bindend und beherrschend, nicht selten erkennbar an starken Affektentladungen, die Unlust ausdrücken. Diese verhindern leider, dass die Kinder sich zurücknehmen und distanzieren können. Die Distanzierung ist eine wichtige Voraussetzung für die gesamte Kindesentwicklung und speziell auch für die des kognitiven Denkens.

Aktivitäten, die kennzeichnend sind für Affektentladungen:
viel sprechen, nicht auf sich oder andere im Raum achten können, viel rennen, (beim Erzählen der Geschichte wird unterbrochen oder gar nicht zugehört), Probleme beim Übertragen des Erlebten auf eine distanzierte Ebene, z.B. Malen.

Die Leitlinien der therapeutischen Angebote

Grundsätzlich geht es uns darum, dem Kind dabei zu helfen, die psychischen Inhalte vom unmittelbar Körperlichen zu lösen, um anstelle dessen Bilder und Worte zu finden. Die Haltung des Therapeuten hilft dem Kind bei der Entwicklung oder Neustrukturierung seiner Einheit. (Konzept der „Strukturierenden Umhüllung“)

Kinder, die in die Therapie kommen, sind häufig dergestalt im Körperlichen verhaftet, dass sie entweder exzessiv oder gehemmt sind, – dass nicht sie handeln, sondern ihr Körper.

Sie können ihre inneren Bilder nicht im Spiel umsetzen, der Körper agiert oft ohne Kontrolle, die Kinder wirken impulsiv, triebhaft, ruhelos oder sie zeigen sich ausdrucksgehemmt.

Der Therapeut hilft dem Kind, indem er sich tonisch-emotional auf das Kind einlässt. So hat es die Möglichkeit, innerhalb der sicheren Beziehung zum Therapeuten seine Ängste über den Körper auszudrücken. Negativ oder nicht erlebte Körperzonen werden aus dem Körperbewusstsein gestrichen oder psychosomatisch besetzt. Durch das lustbetonte psychomotorische Spiel können diese Körperzonen neu und positiv erlebt werden. Ängste können in den Stunden spielerisch verarbeitet werden. Versteckte, oder auch nicht versteckte Aggressionen finden einen Raum. Bewusste und unbewusste Geschichten des Kindes bekommen Resonanz und verlieren an Wichtigkeit. Die freiwerdende Energie ermöglicht dem Kind seelische Reifung, die zur Kreativität und Kognition führen wird.

Prinzipien in der Therapie

Folgende Merkmale kennzeichnen die Psychomotorische Praxis Aucouturier:

Beständigkeit

in bezug auf Raum, Material, Regeln, Rituale und die Person.
Die Beständigkeit ist wichtig, da sie „unseren Kindern“ oft fehlt: sie können nicht differenzieren (ich – andere), sie haben kein kontinuierliches Bild (was nicht gesehen wird, ist nicht da).

Haltung des Therapeuten

Insbesondere Kinder, die aufgrund ihrer affektiven Unsicherheit motorisch unsicher sind, benötigen einen starken Halt. Dieser wird zunächst durch die oben genannte Beständigkeit gewährleistet, darüber hinaus auch durch den Erwachsenen. Er hält Kontakt zum Kind über den Blick, mittels seiner Stimme, durch Interventionen und Spielangebote. Der Therapeut spielt nicht mit dem Kind, sondern für das Kind. So kann das Kind den Erwachsenen für den Ausdruck seiner Geschichte nutzen.

Dabei bleiben aber die Grenzen zwischen Ich und Du stets gewahrt.

Ablauf der Stunde

Grundsätzlich verläuft eine Therapiestunde freier und flexibler als eine Präventionsstunde, denn der Therapeut soll dem Kind folgen und für das Kind verfügbar sein.