Nicht selten ist das der klassische Weg: Feststellen der Defizite durch verschiedene Testverfahren, Auflistung der Abweichungen, Vergleichen mit Norm-Tabellen und Ausarbeitung eines Programms, das genau dort ansetzt, wo das Kind versagt.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Kind in den Widerstand tritt, sobald es merkt, dass wir seinem sogenannten Fehlverhalten zu Leibe rücken wollen – es verteidigt sein Symptom oder sucht sich ein anderes. Hingegen andere werden passiv, selbstvergessen oder unaufmerksam.

Will man ein Symptom beseitigen, erhöht sich die innere Spannung des Kindes. Wenn es kein Ventil und keine Ausdrucksmöglichkeit mehr hat, entstehen Angst und psychosomatische Störungen.

Welche Bedeutung hat das Symptom, welchen Sinn das Verhalten für dieses Kind? Bernard Aucouturier ist auf seiner Suche nach Antworten stets davon ausgegangen, dass der Bewegung des Kindes eine tiefe Motivation zugrunde liegt. Offenbar geht es dem Kind darum, etwas nachzuholen, was bislang ungenügend oder als nicht befriedigend erlebt wurde. Besonders das Erleben von Beziehungen dient als Grundlage für die Gründung der eigenen Identität.

Ermutigung zur Kooperation

Entscheidend für eine hilfreiche und wirkungsvolle Therapie ist folglich die Beziehung zwischen Kind und Therapeuten, – ausschlaggebend sind die affektive Kommunikation und Dynamik zwischen beiden.

Wir wollen mit den positiven Seiten des Kindes arbeiten, wir interessieren uns für das, was es zu tun vermag und nicht für das, was es nicht kann. Das beste Mittel, dem Kind zu helfen, seine Schwierigkeiten zu überwinden, ist, es sie vergessen zu lassen.
(Aucouturier)

Auch wir „vergessen“, warum ein Kind zu uns kommt und arbeiten zunächst mit dem, was es spontan tut und mitbringt. Diese Haltung setzt voraus, dass man die Forderung aufgibt, alles zu können oder gar das Kind heilen zu wollen.

Wir verfolgen das Ziel, dem Kind die Möglichkeiten zu seiner Entfaltung zu geben oder zurückzugeben, mit ihm Interessantes zu entdecken und das zu befreien, was in ihm wohnt. Wir machen die Erfahrung, dass mit der Aufhebung der Somatisierungen und der Befreiung seines ureigenen Körperausdrucks wieder die Energien für sein Lernen und Reifen freigesetzt werden.

Verbindung von Spiel und Wort

Uns liegt an der Selbstbestätigung und Reifung des Kindes über den körperlichen Weg. Das Augenmerk richtet sich auf die motivierte Entfaltung der Persönlichkeit.

Psychomotorik-Therapeuten geben Kindern den Raum für ein genügend langes, freies Erforschen und Erproben ihrer selbst. Wir führen Kinder hin zu einem authentischen Ausdruck und einer authentischen Kommunikation. Sobald ein Kind dort anlangt, entwickelt es selbständig den Wunsch nach Wissen und Weiterentwicklung. Nun wird es motivierte Interessen entwickeln und kreativ lernen.

Zu diesem Raum gehört auch, dass der Erwachsene bereit ist, sich mit den Wünschen und Bedürfnissen des Kindes auseinander zusetzen, die oft aus sehr frühen Erlebnissen stammen. In den gemeinsamen Spielen gehen wir zurück auf die vorsprachliche Erlebnisebene des Kindes, in eine Zeit, in der es noch eng mit der Mutter verbunden war. Dabei haben sich auch Hilfsmittel bewährt, die das Kleinsein unterstützen: Fläschchen, Babysprache ….

Es geht uns stets um das positive Identitätsgefühl des Kindes und dabei spielt das Beziehungsgeschehen zwischen Kind und Umwelt, besonders zwischen Kind und Eltern, eine herausragende Rolle.

Ungünstige Startbedingungen können durch positive nachgeburtliche Umstände aufgefangen werden, während umgekehrt ungünstige nachgeburtliche Bedingungen frühe Traumatisierungen lebendig erhalten und somit spätere Konfliktsituationen zusätzlich erschweren können.